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Diagnostik und Förderung – Wo stehen meine Schüler?

Per E-Mail, am Telefon oder mithilfe von Video-Konferenzen: Während der Corona-Krise war es für Lehrerinnen und Lehrer gar nicht so einfach, regelmäßigen Kontakt zu ihren Klassen zu halten. Nach der langen Zeit der Schulschließungen gilt es deshalb erst einmal herauszufinden, was die Schülerinnen und Schüler können – und was nicht.

Noch sind die langfristigen Folgen der Corona-Krise für die Schülerinnen und Schüler nicht abzusehen. Nur in einer Sache sind sich die Experten einig: Die Chancenungerechtigkeit im Bildungsbereich wird sich durch die wochenlangen Schulschließungen weiter verschärfen. Denn je nach technischer Ausstattung und familiärer Situation haben die Schülerinnen und Schüler in sehr unterschiedlichem Maße vom Fernunterricht  profitiert.

Laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag der Bosch-Stiftung gehen 86 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer davon aus, dass die sozialen Ungleichheiten noch deutlicher zu Tage treten werden. Zudem rechnet etwa ein Drittel der 1.031 befragten Lehrerinnen und Lehrer allgemeinbildender Schulen damit, dass die Schulschließungen bei den meisten ihrer Schülerinnen und Schüler zu deutlichen Lernrückständen führen werden.

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Individuelle Förderung ermöglichen

Es liegt nun in der Verantwortung der Schulen, die Lücken, die durch Corona  entstanden sind, im Präsenzunterricht möglichst gut zu schließen. Daher ist es entscheidend, den Lernstand jedes einzelnen Schülers und jeder einzelnen Schülerin zu erfassen. Denn nur so können Lernrückstände erkannt, Förderbedarfe identifiziert und individuelles Lernen ermöglicht werden.

Entsprechende diagnostische Instrumente gibt es bereits in den einzelnen Bundesländern als auch bundesweit, wie etwa VERA 3 und VERA 8. Solche Vergleichsarbeiten können nun gezielt eingesetzt werden, um darauf basierend Unterstützungsangebote zu machen und den sogenannten „Corona-Gap“ Schritt für Schritt ausgleichen zu können. Wichtig ist jedoch: Bei diesen Lernstandserhebungen sollte es nicht um Leistungsvergleiche gehen! Vielmehr muss es das Ziel sein, den Kenntnisstand und die Kompetenzentwicklung der Schülerinnen und Schüler transparent zu machen.

Verschiedene Datenquellen nutzen

Im Bereich der Diagnostik haben sich zudem in den vergangenen Jahren einige Diagnoseinstrumente etabliert, die sich ohne viel Aufwand im Unterricht integrieren lassen, wie zum Beispiel die onlinebasierte Lernverlaufsdiagnostik „quop“ oder das Marburger Sparchscreening für die Grundschule.

Darüber hinaus empfiehlt es sich, zum Schulstart ein sogenanntes Lernstandsscreening durchzuführen, mit dem sich Lehrkräfte einen Überblick über den aktuellen Leistungsstand sowie die emotionale Verfassung ihrer Schülerinnen und Schüler verschaffen können. Als Grundlage können sowohl die Ergebnisse des Fernunterrichts als auch Einzelgespräche oder Beobachtungen in den Tagen nach Wiedereröffnung der Schulen dienen.

In Bezug auf den emotionalen Zustand der Schülerinnen und Schüler sollten folgende Aspekte erhoben werden:

  • Wie ist der Schüler/die Schülerin wieder zurück in die Schule gekommen?
  • Gibt es Veränderungen im Verhalten?
  • Gab es besondere Vorkommnisse während der Zeit der Schulschließungen?

Ergebnisse aus dem Fernunterricht einbeziehen

Bei den Beobachtungen zur Lernausgangslage geht es vor allem um die Bearbeitung der Aufgaben im Fernunterricht. Hier sollten sich Lehrerinnen und Lehrer folgende Fragen stellen:

  • Wie viele von den Aufgaben, die von der Lehrkraft gestellt wurden, hat der Schüler/die Schülerin erledigt? Was sind gegebenenfalls Gründe für die Nicht-Bearbeitung?
  • Wurde dem Schüler/der Schülerin bei der Bearbeitung der Aufgaben geholfen?
  • Hat der Schüler/die Schülerin den Lernstoff im Fernunterricht verstanden?
  • Können Lernlücken festgestellt werden?

All diese Maßnahmen helfen Lehrkräften, nach den Monaten des Fernunterrichts kein Kind aus den Augen zu verlieren – und auch in Zukunft genauer hinzuschauen, wo die einzelnen Schülerinnen und Schüler stehen, um den Unterricht stärker darauf auszurichten.

Aus unserer Ratgeber-Rubrik "Diagnostik & Förderung"

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