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  • sommer Blog Die Heterogenität hat im Corona-Schuljahr zugenommen

worauf Sie sich als Lehrkraft einstellen sollten (und was Sie tun können)

Die Corona-Krise hat Kinder und Jugendliche (und natürlich auch ihre Lehrkräfte) vor große Herausforderungen gestellt. Sie hat die gewohnten Abläufe von Schule aus den Angeln gehoben, die Rituale und Routinen gesprengt, den schulischen Alltag ständig neuen Herausforderungen ausgesetzt. Das gilt es aufzuarbeiten. Einige haben darunter mehr gelitten als andere – die Heterogenität unter den Schülerinnen und Schülern wird zunehmen.

Für Schülerinnen und Schüler (sowie ihre Lehrkräfte) bedeutete das vergangene Schuljahr einen permanenten Wechsel – und immer wieder Zumutungen: Distanzunterricht, Quarantäne, Wechselunterricht, Notbetreuung, Betreuung zu Hause, Freunde nur allein oder sogar gar nicht treffen, kein Sportverein, keine Musikschule, dafür viel Langeweile – und für die meisten (vor allem Jungen, wie Studien zeigen) sehr lange Bildschirmzeiten. All das hatte und hat Einfluss auf das soziale und schulische Lernen.

 

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Die Krise hat die sozialen Unterschiede auf die Entwicklung der Schülerinnen und Schüler vergrößert

Studienergebnisse lassen vermuten, dass die Situation für manche Familien leichter aufzufangen war als für andere. Die meisten Eltern geben zwar an, dass ihr Kind mit dem sogenannten Homeschooling ganz gut zurechtgekommen ist. Wie gut, das hängt aber stark von der Schule und vom persönlichen Umfeld ab. Auffällig ist, dass Schüler, die sich selbst als leistungsstark einschätzen, deutlich häufiger meinen, gut durch die Schulschließungszeit gekommen zu sein. Gymnasiastinnen und Gymnasiasten ziehen eine positivere Bilanz als Haupt-, Real- oder Gesamtschülerinnen und  -schüler. Auch die technische Ausstattung zu Hause spielt bei der Bewertung eine Rolle. Bildungspolitiker gehen davon aus, dass jede vierte oder fünfte Schülerin beziehungsweise jeder vierte oder fünfte Schüler wegen der Schließungen und Einschränkungen an Schulen große Lernrückstände aufgebaut hat. Klar scheint zu sein: Die Krise hat die sozialen Unterschiede und den Einfluss der Bedingungen im Elternhaus auf die Entwicklung der Schülerinnen und Schüler vergrößert.

Damit haben sich die bekannten Ungleichheiten durch die Pandemie also fortgesetzt und wurden durch diese noch verstärkt. Besondere Unterstützung brauchen deshalb vor allem die Kinder, die auch vorher schon auf mehr Hilfe seitens der Schule angewiesen waren – und das nicht nur kognitiv, sondern auch sozial, emotional und körperlich aufgrund von Bewegungsmangel. Dennoch sollten Lehrerinnen und Lehrer nicht vergessen, dass alle Kinder und Jugendlichen von gravierenden Einschränkungen ihres sozialen Lebens und ihrer Kontakte betroffen waren. Zuwendung benötigen also alle Schülerinnen und Schüler, manche davon eben intensiver und mit zusätzlichen Unterstützungsangeboten.  

Zunächst wird es wichtig sein, die soziale Basis für den Unterricht wieder herzurichten die die Beziehungsqualität zu stärken

Es wird für Lehrkräfte viele Baustellen geben, wenn das neue Schuljahr beginnt.  Und damit sind nicht nur Rückstände bei den Schülerinnen und Schülern im Erwerb von Kompetenzen und Inhalten gemeint, sondern auch die Voraussetzungen, die effektive und nachhaltige Lernprozesse überhaupt erst ermöglichen. Zunächst wird es deshalb wichtig sein, die soziale Basis wieder herzurichten die die Beziehungsqualität zu stärken. Eingebundenheit, freundschaftliche Nähe und Fürsorge – das müssen viele Schülerinnen und Schüler erst wieder erleben, um Lernen zu können. Hierfür bieten sich Sport und Spiel an. Auch künstlerische und musische Fächer können Ausgleich schaffen und helfen, die Belastungen emotional aufzuarbeiten. Sprache wird für viele Kinder eine große Baustelle sein – was nicht nur Kinder mit Migrationshintergrund betrifft. Wissenschaftler haben festgestellt, dass die Sprachentwicklung im Distanzunterricht zum Teil zu kurz kam. Hier können Lehrkräfte ein gezieltes Förderangebot machen, spielerisch zwischendurch an Sprache arbeiten und bewusst Kommunikationsanlässe schaffen.

Natürlich geht es auch darum, grundlegende kognitive Kompetenzen zu sichern. Hier werden Lehrkräfte vor allem die Kulturtechniken in den Blick nehmen müssen. Dennoch sollte Schule sich nicht ausschließlich auf Deutsch und Mathematik konzentrieren, auch wenn dies am dringlichsten erscheint. Denn für viele Kinder würde eine Fokussierung auf die Kernfächer bedeuten, ausschließlich mit Defiziten konfrontiert zu werden. Die vermeintlichen Nebenfächer können helfen, Erfolgserlebnisse zu schaffen. Das ist wichtig, denn auch die Lernmotivation scheint bei vielen Kindern und Jugendlichen gelitten zu haben. 

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