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Manche Schülerinnen und Schüler sind in ihrer Entwicklung zurückgefallen – wie lässt sich gegensteuern?

Viele Kinder und Jugendliche waren in der Corona-Krise und in Zeiten des Distanzunterrichts isoliert – und gleichzeitig hohem Druck ausgesetzt: den Leistungsanforderungen der Schule, Ärger durch Eltern, Sorgen vor Infektionen und vielleicht auch um die wirtschaftliche Existenz der Familie. Das hat Schülerinnen und Schüler stark belastet.

Die Probleme scheinen sich bei manchen in aggressiverem Verhalten zu entladen. Erste Statistiken, die nach Wiedereinsetzen des Präsenzunterrichts erhoben wurden, zeigen jedenfalls, dass die Zahl der Gewaltdelikte in den Schulen nach oben gegangen ist. Für Lehrkräfte bedeutet das: Sie müssen – noch mehr als ohnehin jedes Jahr zum Schuljahresbeginn – stark darauf achten, das soziale Lernen in den Fokus ihrer pädagogischen Arbeit zu rücken.

Das ist keine leichte Aufgabe – angesichts der Herausforderung, die entstandenen Lernlücken schließen zu müssen. Das ist aber auch nicht nebensächlich – ist das Klassenklima doch grundlegend auch für die Arbeitsatmosphäre mit den Schülerinnen und Schülern. Untersuchungen sowie Erfahrungsberichte von Lehrkräften belegen bei vielen Kindern und Jugendlichen gravierende Defizite im Sozialverhalten, die den Unterricht oft massiv erschweren. Auffällig sind eine starke Ich-Bezogenheit und ein hoher Individualisierungsanspruch („Prinzen- oder Prinzessinnenrolle“), die Unfähigkeit, sich in den Klassenverband einzufügen und sich dabei an Regeln zu halten, die Neigung, sich spontan zu äußern und zu verhalten, ohne Rücksicht auf die Situation und auf Mitschülerinnen und Mitschüler. All diese Probleme dürften durch die Corona-Krise verschärft werden.

 

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Häufig ergeben sich im Klassenraum Situationen, die gute Anlässe für die Gestaltung von Gruppenprozessen liefern

Für die Praxis sozialen Lernens sind drei Bereiche bedeutsam. Das betrifft, erstens, die Gestaltung von Alltagssituationen, in denen besondere Unterrichtssituationen Anknüpfungspunkte bieten. Häufig ergeben sich im Klassenraum Situationen, die nach sozialen Problemlösungen verlangen und die gute Anlässe für die Gestaltung von Gruppenprozessen liefern: ob es die mangelnde Disziplin einzelner Schülerinnen und Schülern nötig macht, neue Regeln einzuführen, oder im Stuhlkreis unterschiedliche Formen der Kommunikation erprobt werden, ob es sich um einen Streit handelt, der aufgegriffen und für den eine ausgewogene Lösung gefunden wird, oder ein aktueller Anlass es nötig macht, um gemeinsam über das Thema „Vertrauen“ zu reden, oder ob die Gruppenarbeit daran scheitert, dass es an kooperativem Handeln mangelt – und ein Austausch auf Augenhöhe dann dazu führt, die Voraussetzungen für gemeinsames Tun erst einmal zu schaffen.

Gelingendes Spielen schafft die Grundlagen für die gegenseitige Wertschätzung in der Klasse

In verschiedenen Formen des Spiels, zweitens, wird soziales Lernen fiktiv, aber nicht minder wirksam angesprochen. Interaktionsspiele sind dadurch gekennzeichnet, dass sie in einer Gruppe auf spielerische Art und Weise persönliche Kontakte ermöglichen und diese intensivieren. Kennenlernspiele zum Schulanfang, Vertrauensspiele, Kooperationsspiele und Kommunikationsspiele fördern das Zusammenleben in der Schülergruppe. Mit Anderen in Kontakt zu treten, Konflikte konstruktiv zu lösen, sich an Regeln zu halten, persönliche Interessen zugunsten der Gruppe zurückzustellen – gelingendes Spielen schafft die Grundlagen dazu: die Erfahrung von Gemeinschaft, von Zugehörigkeit, von Wertschätzung in der Klasse. Für diese positiven Effekte des Spielens gibt es mittlerweile zahlreiche Belege.

In gemeinsamen reflexiven Gesprächen setzen sich die Schülerinnen und Schüler mit den Standpunkten anderer auseinander und denken gemeinsam nach. Sie stellen Behauptungen auf und überprüfen sie, sie lernen, sich gegenseitig zuzuhören, und üben sich darin, eigene Gefühle und Gedanken sprachlich auszudrücken, ihren eigenen Standpunkt zu begründen und dabei aufeinander Bezug zu nehmen. Die Erfahrung zeigt: Wenn Lehrkräfte auf diese Weise zusammen mit den Kindern und Jugendlichen eine klare Rahmensetzung durch Regeln und Rituale schaffen, bleiben ihnen in vielen Fällen die mühsamen und frustrierenden Auseinandersetzungen mit Disziplinproblemen erspart – ein guter Start ins neue Schuljahr.

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