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Sozialkompetenz – Nach langer Pause zurück in der Schule

Viele Schüler haben monatelang keinen Unterricht im Klassenverband gehabt. Welche Folgen hat das? Und wie gehe ich als Lehrkraft damit um?

Die Auswirkungen der Corona-Krise auf Kinder und Jugendliche waren enorm – und sie sind es bis heute. Ein Indiz: Einer Untersuchung zufolge verdoppelte sich bei ihnen die ohnehin schon hohe Nutzungsdauer von digitalen Spielen auf Tablets, Smartphones, Spielkonsolen oder am PC während der Schulschließungen auf knapp zweieinhalb Stunden täglich. Ein Wunder ist das nicht. Was sollten viele Kinder und Jugendliche auch anderes tun, als die erzwungene Langeweile mit Unterhaltung am Bildschirm zu bekämpfen?

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Im Unterricht sind mehr Verhaltensauffälligkeiten zu erwarten

Schlimm daran ist: Die mediale Überreizung, verbunden mit sozialer Isolation,  eingeschränkter Bewegungsfreiheit und einer durch den Unterrichtsausfall fehlenden Tagesstruktur, könnte nach Meinung von Psychologen bei vielen Kindern und Jugendlichen dazu führen, dass sich bestehende psychische Probleme intensivieren. In der Folge sind mehr Verhaltensauffälligkeiten zu erwarten, die dann auch im Präsenzunterricht der Schule erkennbar werden. Der wichtige Anteil des sozialen Lernens lag in Zeiten des Fernunterrichts praktisch brach.

Betroffen sind vor allem Jungen, die schon vor der Corona-Krise tendenziell eher durch hohe Lautstärke, fehlende Impulskontrolle und ungezügeltem Bewegungsdrang auffielen. Schulpsychologen warnen: Jungen dürfte es grundsätzlich schwerer fallen, sich wieder an schulische Regeln und Rituale zu gewöhnen und die neuen Corona-Auflagen zu akzeptieren, als ihren Mitschülerinnen. Jungen sind es auch, die die durchschnittlichen Bildschirmzeiten nach oben treiben. Für viele von ihnen, heißt es, habe der digitale Fernunterricht einen Vorwand geliefert, sich nahezu unbegrenzt Computerspielen widmen zu können, darunter auch altersbeschränkten Gewaltspielen. Sozialarbeiter und Schulpraktiker nehmen bereits eine Zunahme an „Gamersprachen-Kommunikation“ in der betroffenen Klientel wahr.

Fernunterricht hat die soziale Schere in der Bildung weiter geöffnet

Nimmt man den Befund hinzu, dass durch den Fernunterricht die soziale Schere in der Bildung sich weiter geöffnet hat – Kinder und Jugendliche aus sozial schwächeren Familien haben am meisten unter dem fehlenden Präsenzunterricht gelitten –, dann lässt sich ein Profil von besonders betroffenen Schülern erkennen. Und das sind die, die sich schon vor der Krise mit der Schule schwertaten: Jungen aus bildungsfernen Familien, in denen problemverschärfend oft zu Hause nicht deutsch gesprochen wird. Hier werden die Lehrerinnen und Lehrer in den nächsten Monaten besonders gefordert sein, mit Förderangeboten die entstandenen Lücken auch beim sozialen Lernen aufzufüllen.

Nicht alle Probleme, die Corona Kindern und Jugendlichen auferlegt, äußern sich allerdings im Verhalten im Unterricht. Mitunter sind es, gerade bei den Jüngeren, vermeintlich kleinere Auffälligkeiten, die auf einen hohen seelischen Druck hinweisen. Kinderärzte berichten davon, dass sich immer mehr Kinder Einnässen, die bereits sauber waren – auch noch Schulkinder. Eltern berichteten auch vom Zähneknirschen des Nachwuchses. Die Maskenpflicht führt bei manchen Kindern zu Kreislaufbeschwerden oder gar Panik-Attacken. Klagen über Bauch- oder Kopfschmerzen nehmen zu. 

Eltern und Lehrkräfte sollten immer wieder Gespräche anbieten

Manche Kinder und Jugendliche, auch ältere, ziehen sich zurück, können aber die Bedeutung von Nachrichten zur Corona-Pandemie nicht differenzieren und entwickeln zum Teil massive Ängste, mit denen sie häufig allein bleiben. Deshalb ist es wichtig, dass Eltern und Lehrkräfte ihnen immer wieder Gespräche anbieten und sie gut durch die Krise begleiten. Eine bedeutende Rolle bei der Entstehung oder Verstärkung von Angstzuständen sehen Kinderärzte auch im täglichen exzessiven Medienkonsum. Hier sind vor allem Eltern gefordert gegenzusteuern.

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